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Bild aus Kroatien

BlogSo sind wir ausgewandert · TEIL 2

Auswandern nach Kroatien: sechs Jahre später

Echte Auswanderer-Geschichten, erzählt von denen, die es gerade tun. Was war der Plan, was kam wirklich, was würden sie heute anders machen.

So sind wir ausgewandert · TEIL 2August 2026Kroatien4 Minuten

Steckbrief

  • Petra Zeitz, seit September 2020 in Vodice zwischen Split und Zadar
  • Davor neun Jahre Finnland, zehn Jahre Malta
  • Arbeitet ortsunabhängig, mit eigenem Gewerbe in Kroatien
  • Bietet inzwischen selbst Beratung für Kroatien an

Kroatien war nicht der Plan

Nach zehn Jahren Malta sollte es nach Spanien gehen. Ans Mittelmeer, das stand fest. Dann kam Corona, Spanien war Sperrgebiet, und Kroatien gehörte zu den Ländern, in denen man im September 2020 relativ normal leben konnte.

So wurde aus dem Plan ein anderes Land. Aber nicht ins Blaue: Petra hatte jahrelang als Reiseleiterin gearbeitet, große Kroatienreisen begleitet und war mit Kreuzfahrtschiffen oft in Dubrovnik, Zadar und Split.

Ich wäre auch jetzt nicht ins Blaue irgendwohin gegangen.

Die Kette, die alles getragen hat

Haus in Finnland gekauft, verkauft, Kredit abbezahlt. Vom Rest eine Wohnung in Malta. Die verkauft, davon die Wohnung in Kroatien.

Das ist für mich beim Auswandern das Beste gewesen, so früh wie möglich auf eine Immobilie zu gehen. Dann kann man relativ frei leben, man hat nur die laufenden Kosten.

Der Wert ihrer Wohnung hat sich in sechs Jahren verdoppelt. Sie hält davon wenig:

Was nützt es? Du musst ja von dem Geld irgendwo anders auch wieder etwas kriegen können. Und die Preise sind überall durch die Decke gegangen. Du kriegst für eine Wohnung eine Wohnung.

Der Makler, der zur Bank mitgeht

Drei Prozent Provision, dafür hat die Maklerin alles übernommen: Anmeldung bei der Behörde, Bankkonto, Strom, Wasser, kommunale Abgaben, Versicherungen. Alles um- und angemeldet, und überall persönlich mit dabei.

Beim Grundstück wurde es aufwendig. Damals durften Ausländer in Kroatien keine landwirtschaftlichen Flächen kaufen, und die 500 Quadratmeter Garten am Haus waren genau so eingestuft. Die Maklerin ist allein deswegen dreimal zum Amt gefahren, bis geklärt war, dass es der Garten zum Haus ist.

Das hätte man ohne Sprachkenntnisse gar nicht gekonnt.

Es gibt auch Makler, die nur vom Verkäufer eine Provision nehmen. Sie hat drei Prozent gezahlt und würde es wieder tun.

Angestellt geht nicht, selbständig schon

Wer nach Kroatien zieht und dort Geld verdienen will, hat nach ihrer Erfahrung nur einen Weg: ein eigenes Gewerbe. Eine Anstellung lohnt sich nicht, die Abgaben sind fast so hoch wie in Deutschland und die Gehälter liegen bei rund 1.500 Euro.

Sie selbst arbeitet mit einem Gewerbe in der Pauschalbesteuerung. Was sie dazu berichtet:

Erfahrungsbericht, Stand August 2026. Diese Zahlen gelten für ihren Fall, nicht als Regel.

  • Die Pauschale ist nach Umsatz gestaffelt. Bei 50.000 bis 60.000 Euro Umsatz zahlt sie rund 600 Euro im Monat, alles zusammen
  • Die Obergrenze für dieses Modell liegt bei rund 5.000 Euro Umsatz im Monat
  • Ihre Buchhalterin kostet 62 Euro im Monat, inklusive Jahresabschluss. Petra schickt einmal im Monat ihre Rechnungen, zurück kommen die Überweisungsträger
  • Die Anmeldung des Gewerbes hat 270 Euro gekostet und wurde komplett von der Buchhalterin erledigt
  • Der Haken: Bei der Pauschale ist nichts absetzbar
  • Ein Wohnsitz im Land ist Voraussetzung

Der letzte Punkt ist der, an dem sich das Modell für viele entscheidet. Wer hohe Ausgaben hat, verliert bei der Pauschale. Wer digital arbeitet und außer Software und Internet kaum Kosten hat, fährt gut damit.

Wenn dein Beruf im System nicht vorkommt

Kroatien ordnet Gewerbe über ein Nummernsystem zu, mit festen Berufen. Digitale Dienstleistungen sind dort nicht vorgesehen. Petras Tätigkeit wurde deshalb als Werbeagentur eingestuft.

Werbeagenturen zahlen in Kroatien eine Tourismusabgabe. Sie zahlt jetzt 76 Euro im Jahr für eine Branche, in der sie nach eigener Aussage nicht arbeitet.

Aus der Malta-Zeit kennt sie das schon. Dort weigerte sich ein Beamter, sie anzumelden, weil sie auf Kreuzfahrtschiffen arbeitete und in keine Kategorie passte. Fünf oder sechs Jahre blieb sie ohne Anmeldung, mit den Folgen: keine Sozialversicherung, und weil damals ein Gesetz höhere Stromkosten für nicht Gemeldete vorsah, rund 40 Prozent mehr für Strom.

Aber gut, das sind alles Dinge, die sich regeln lassen.

Der Ärger kommt selten von den großen Entscheidungen. Er kommt daher, dass Verwaltungssysteme keine Schublade für den eigenen Fall haben.

Was heute schwieriger ist

Petra würde niemandem sagen, dass Kroatien eine schlechte Wahl ist. Aber sie ist ehrlich darüber, was sich in sechs Jahren verändert hat.

Die Preise haben sich mindestens verdoppelt, seit dem Wechsel von der Kuna zum Euro noch einmal spürbar. An der Küste ist ganzjährig mietbarer Wohnraum knapp, weil in der Saison an Touristen vermietet wird. Parken in der Stadt kostet 2,50 Euro die Stunde. Lebensmittel sind teurer als in Deutschland.

Wer handwerklich etwas kann, findet Arbeit. Aber eben nur selbständig.

Der Satz, der alles davor entscheidet

Auf die Frage, was sie jemandem rät, der nach Kroatien will, kommt kein Wort über Land oder Steuern:

Das Wichtigste ist, man muss vorher wissen, wo man sein Geld herkriegt. Man kann nicht hierhergehen und erwarten, dass man dann einen Job findet, von dem man leben kann.

Sie weiß das aus dem eigenen Fehler. 2001 ging sie nach Finnland, in der Annahme, sich vor Ort einfach zu bewerben und schon etwas zu finden. Das Internet war langsam, ortsunabhängige Jobs gab es praktisch nicht. Am Ende arbeitete sie auf einer Fähre zwischen Deutschland und Finnland, in ihren Worten ein Horror-Job. Danach lange genug arbeitslos, um in dieser Zeit eine Ausbildung zur Reiseleiterin zu machen.

Erst danach lief es. Sechs Jahre als Reiseleiterin, später Tourismus und Marketing auf Malta, heute Content und Social Media für mehrere Kunden.

Wie es weiter geht

Petra bleibt vorerst in Vodice. Ihre Katze ist da, ihre Eltern inzwischen auch. Ob es dabei bleibt, lässt sie offen.

Erfahrungsbericht aus August 2026, kein Leitfaden. Abläufe und Kategorien ändern sich, was auf deine Situation zutrifft, klärst du mit einem Berater.

Petra Zeitz bietet auch Beratung an, hier geht es zum Profil.

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Stand: August 2026

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